Zukunft des herkunftssprachlichen Unterrichts - neue Impulse

Am 28. Januar 2016 um 17:30 Uhr findet die Veranstaltung der Interessengemeinschaft Erstsprachen „Zukunft des herkunftssprachlichen Unterrichts – neue Impulse“ an der PH Zürich statt: Lagerstrasse 2 (Campus beim Hauptbahnhof Zürich). Gebäude LAA, Hörsaal J 002b


Der herkunftssprachliche Unterricht, auch Unterricht in Heimatlicher Sprache und Kultur genannt, ist eine wertvolle Ergänzung in unseren Volksschulen. Zweisprachig aufwachsende Kinder können hier ihre Kompetenzen auch in der Erstsprache erweitern. Das Potenzial dieses Unterrichts kann noch besser genutzt werden, wenn er besser in die öffentliche Schule integriert wird und wenn sich die Unterrichtsqualität weiter entwickelt.

Programm

Referat "Teil der öffentlichen Schule: Die Zukunft des Erstsprachenunterrichts" (Johannes Gruber, IGE)

Vorstellung von neuen Ideen und Materialien für den herkunftssprachlichen Unterricht
(Katja Schlatter Gappisch und Basil Schader, PH Zürich)

Podiumsdiskussion mit den TeilnehmerInnen
- Moritz Spillmann (Kantonsrat ZH, SP)
- Sabine Wettstein (Kantonsrätin ZH, FDP)
- Kathrin Wüthrich (Schulpräsidentin Schulkreis Limmattal)
- Urs Loppacher (Interessengemeinschaft Erstsprachen)
- Dragana Dimitrijevic (Präsidentin des Vereins HSKLV ZH)
Moderation: Wiltrud Weidinger, PH Zürich

Im Anschluss an die Veranstaltung laden wir Sie gerne zu einem Apero ein. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Teil der öffentlichen Schule: Die Zukunft des Erstsprachenunterrichts

Medienkommuniqué vom 18. Januar 2014: Erstsprachunterricht in die öffentliche Schule integrieren!

Die Zukunft des muttersprachlichen Unterrichts für Kinder mit Migrationshintergrund stand im Mittelpunkt einer Tagung am 18.1.14 in Bern. Der Einladung der Interessengemeinschaft Erstsprachen IGE waren mehr als 200 Fachpersonen aus Schule, Verwaltung, Wissenschaft und Politik gefolgt.

Seit ihrer Gründung 2007 verfolgt die IGE das Ziel, dass das öffentliche Bildungswesen auch für den Unterricht in den Erstsprachen ("Unterricht für heimatliche Sprache und Kultur" HSK) die volle inhaltliche, rechtliche, organisatorische und finanzielle Verantwortung übernimmt, in Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern und den Organisationen der verschiedenen Sprachgemeinschaften.

An der Tagung bestand Einigkeit darüber, dass die Zuwanderer mit ihren Sprachen den kulturellen und ökonomischen Reichtum der Schweiz erhöhen. HSK-Kurse werden in der Schweiz unter anderem für die Sprachen Albanisch, Arabisch, Chinesisch, Finnisch, Italienisch, Koreanisch, Kroatisch, Kurdisch, Portugiesisch, Russisch, Türkisch, Serbisch, Spanisch, Tamil oder Ungarisch angeboten. Dieser Unterricht leistet auch einen wichtigen Beitrag zu Chancengerechtigkeit und Bildungserfolg vieler Kinder. Trotzdem mangelte es bisher am politischen Willen, diesen Unterricht in das Schweizer Bildungssystem zu integrieren.

Rosita Fibbi, Soziologin an der Universität Neuchâtel («Schweizerisches Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien»), erläuterte in ihrem Vortrag die prekären Bedingungen, unter denen der Erstsprachunterricht in der Schweiz oftmals stattfindet.

Ein Blick über die Landesgrenzen zeigte zudem, dass etwa in den skandinavischen Staaten oder Österreich jedes immigrierte Kind grundsätzlich Anspruch auf Unterricht in seiner Erstsprache hat, erteilt und finanziert im Rahmen des nationalen Bildungssystems.

An der Tagung wurden in zehn Workshops Fragen der Organisation, Finanzierung sowie Didaktik des HSK-Unterrichts in der Schweiz behandelt und diskutiert, wie die Unterrichtsqualität gesichert sowie die Rahmenbedingungen für den Unterricht verbessert werden können. Als wichtiger Aspekt wurden dabei immer wieder bessere Weiterbildungsmöglichkeiten genannt. Auch der Umgang mit Sprachenvielfalt als Ressource innerhalb des Regelunterrichts und dessen Verankerung im neuen Lehrplan der Romandie war Gegenstand der Diskussion.

An der Podiumsdiskussion zum Abschluss der Tagung betonten die beiden Gewerkschaftspräsidentinnen Katharina Prelicz-Huber (VPOD)und Vania Alleva (UNIA) den Wert des Erstsprachunterrichts und forderten dessen Integration in die öffentliche Schule. Heidi Mück (BastA) stellte ihren parlamentarischen Vorstoss im Grossen Rat des Kantons Basel-Stadt vor, der genau dies als Ziel formuliert und auf den die Basler Regierung 2014 antworten muss. Die Türkischlehrerin Selin Öndül wies darauf hin, dass auch unter den gegebenen Bedingungen bereits viel für bessere Arbeitsbedingungen getan werden kann. Die Erziehungsdirektorin Elisabeth Baume-Schneider (Kanton Jura) erläuterte, dass im Kanton Jura viele kleine Schritte in diese Richtung unternommen werden.

Mit dieser Tagung trägt die Interessengemeinschaft Erstsprachen IGE zur Diskussion über die Weiterentwicklung des HSK-Unterrichts und den Einbezug der Sprachenvielfalt auch innerhalb des Regelunterrichts bei. Auf der Basis der Tagungsergebnisse werden in den nächsten Monaten konkrete Vorschläge erarbeitet, wie der Erstsprachunterricht stärker in das öffentliche Bildungssystem integriert und dessen Qualität sichergestellt werden kann.

Für zusätzliche Informationen:

Dr. Johannes Gruber, vpod-ssp, 079 708 6224, johannes.gruber[at]vpod-ssp.ch

Marilia Mendes, UNIA, 079 946 6489, marilia.mendes[at]unia.ch

Voranzeige


Die Zukunft des HSK-Unterrichts in der Schweiz: Qualitätssicherung, Weiterentwicklung und Integration

Tagung in Bern, am Samstag, den 18. Januar 2014, 9 – 17 Uhr

Der Erstsprachunterricht (HSK) in der Schweiz findet oftmals unter prekären Bedingungen statt. Aktuell wird er in Sprachen wie Italienisch und Portugiesisch aufgrund der Finanzierungsprobleme von Trägerschaften infrage gestellt. Generell sind die Rahmenbedingungen und die Qualitätssicherung für die HSK-Kurse verbesserungsbedürftig, auch wenn hier zwischen den Kantonen und Sprachen grosse Unterschiede existieren. Ein Blick über die Landesgrenzen hinaus lohnt: In einigen europäischen Staaten ist Erstsprachunterricht für Migrantenkinder weitgehend in das öffentliche Bildungssystem integriert.

Die Interessengemeinschaft Erstsprachen (IGE) führt eine Fachtagung unter dem Titel "Die Zukunft des HSK-Unterrichts in der Schweiz: Qualitätssicherung, Weiterentwicklung und Integration" durch, um die hiesigen Debatten über die Angebote des HSK-Unterrichts und den Einbezug von Mehrsprachigkeit im Unterricht anzureichern. Die Erkenntnisse der Tagung werden in einer Broschüre (deutsch, französisch und italienisch) zusammengefasst und zugänglich gemacht.

 

Weitere Informationen finden sich >>hier 

 

 

Internationaler Tag der Muttersprache 2012

 

 

                                                                                          Zürich, den 21.2.2012

 

An die Deutschschweizer Medien

Internationaler Tag der Muttersprache 2012

Die Interessengemeinschaft Erstsprachen (IGE) wendet sich nachdrücklich gegen den sich abzeichnenden Abbau des muttersprachlichen Unterrichts in der Schweiz. Anlässlich des heutigen "internationalen Tags der Muttersprache" fordert die IGE die Integration des sogenannten "Unterrichts in heimatlicher Sprache und Kultur" (HSK) in das öffentliche Bildungssystem.

Wir feiern heute den "Internationalen Tag der Muttersprache". Durch Einwanderung hat die Sprachenvielfalt in der Schweiz zugenommen. Die vielen hierzulande verbreiteten Sprachen sind eine kulturelle Bereicherung und von volkswirtschaftlichem Nutzen für unser Land. Durch die Förderung dieser Sprachen wird auch Wertschätzung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund zum Ausdruck gebracht und ein Beitrag zu deren Integration geleistet. Wie wissenschaftliche Studien zeigen, trägt der Unterricht in der Erstsprache zudem zur Chancengerechtigkeit im Bildungswesen bei, indem die Kinder von Einwandererfamilien dadurch auch die Schulsprache leichter erlernen.

Ungeachtet dessen findet zurzeit ein Abbau des Erstsprachunterrichts statt. Mitten im Schuljahr wurde kurzfristig 20 Lehrpersonen für Portugiesisch mitgeteilt, dass ihre Kurse aufgehoben werden. Bereits jetzt haben in der Schweiz ca. 3000 Kinder den Unterricht in ihrer Muttersprache Portugiesisch verloren, für den Sommer ist ein weiterer Abbau geplant. Auch die HSK-Kurse für Italienisch sind gefährdet. Bisher finanzierten der portugiesische beziehungsweise der italienische Staat die jeweiligen HSK-Kurse in der Schweiz und fungierten auch als organisatorische Träger des Unterrichts. Durch die ökonomische Krise dieser beiden Länder und eine dadurch erzwungene Sparpolitik der öffentlichen Haushalte wird dies nun infrage gestellt.

Seit Jahrzehnten gibt es in der Schweiz Diskussionen darüber, wie man den HSK-Unterricht besser in das öffentliche Bildungswesen integrieren kann. Zuletzt widmete sich etwa 2010 die Convegno-Fachtagung der "Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren" (EDK) diesem Thema. Doch geschehen ist bisher relativ wenig. Zum Beispiel wurde im Kanton Zürich ein verbindlicher Rahmenlehrplan für HSK-Unterricht entwickelt, der eine bestimmte Qualität des Unterrichts garantieren soll. Das Erreichte wird nun durch den Abbau der Kurse teilweise wieder zerstört.

Es gilt jetzt kurzfristige, pragmatische Lösungen zu finden, die die Weiterführung der von Einsparungen betroffenen Kurse ermöglichen. Gerade bei einer offiziellen Landessprache wie Italienisch sollte ein Einspringen durch Bund, Kantone und Kommunen selbstverständlich sein, sobald HSK-Kurse bedroht sind. Doch auch andere Sprachen sind nicht weniger wichtig. Portugiesisch-Unterricht wird bereits abgebaut.

Mittel- bis langfristiges Ziel sollte es sein, den HSK-Unterricht gut in das öffentliche Bildungswesen der Schweiz zu integrieren, damit sowohl eine hohe Unterrichtsqualität wie auch gute Anstellungsbedingungen für die Lehrpersonen garantiert werden können. Österreich ist in dieser Hinsicht vorbildlich, muttersprachlicher Unterricht wird dort seit Beginn der 1990er Jahre innerhalb des Regelschulwesens erteilt, staatliche Lehrpläne definieren Qualitätsstandards und Anstellungsbedingungen innerhalb des öffentlichen Diensts sorgen auch für eine angemessene Entlohnung der Lehrpersonen.

Die "Interessengemeinschaft Erstsprachen" (IGE) wird in den nächsten Monaten ein Konzept für die Integration des HSK-Unterrichts in das öffentliche Bildungswesen erarbeiten, das Unterrichtsqualität wie gute Anstellungsbedingungen gleichermassen sicherstellt.

 

 

Dr. Johannes Gruber, Interessengemeinschaft Erstspachen (IGE)

Auskünfte unter: Johannes.Gruber[at]vpod-ssp.ch

 

Hintergrundinformationen

Am 21. Februar wird der "Internationale Tag der Muttersprache" begangen. Seit 2000 ist dies der UNESCO-Gedenktag zur "Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit". 2008 wurde an diesem Tag die "Interessengemeinschaft Erstsprachen" IGE gegründet. Die IGE ist ein Zusammenschluss von rund 50 Institutionen und Organisationen sowie über 70 Einzelpersonen aus verschiedenen in der Schweiz lebenden Sprachgruppen, aus dem Bildungswesen und aus der (Sprach)Wissenschaft. Gegründet wurde die Vereinigung mit dem Ziel, die Vielsprachigkeit der Schweiz mittels einer geeigneten Sprachenpolitik und einem qualifizierten Sprachunterricht in den Schulen zu fördern.

Am diesjährigen "Internationalen Tag der Muttersprache" macht die IGE auf den zur Zeit stattfindenden Abbau des Erstssprachunterrichts aufmerksam. Der muttersprachliche Unterricht für Kinder mit Migrationshintergrund wird in der Schweiz unter anderem von Botschaften und Konsulaten der entsprechenden Herkunftsländer organisiert und finanziert. Angesichts der volkswirtschaftlichen Krise möchten Portugal und Italien Kosten einsparen und stellen den "Unterricht in heimatlicher Sprache und Kultur HSK" – so der offizielle Name – infrage. Portugal hat bereits mit dem Abbau begonnen.

Entlassung von portugiesischen HSK-Lehrpersonen

Am 29. November 2012 wurde 20 HSK-Lehrpersonen für Portugiesisch mitgeteilt, dass ihr Arbeitsvertrag zum 1.1.2012 aufgehoben wird und sie mitten im Schuljahr ihre Kurse verlieren. Die Lehrpersonen werden entweder an eine Schule in Portugal versetzt, bekommen eine Entschädigung oder werden arbeitslos und müssen nach Portugal stempeln gehen. Für den Sommer sind weitere Stellenstreichungen geplant.

In der Schweiz verlieren schon jetzt ungefähr 3000 SchülerInnen den Unterricht in ihrer Muttersprache Portugiesisch. Von Behördenseite wird überlegt, dass sich der portugiesische Staat zurückzieht und die portugiesischen Emigrantenvereine die Organisation des Unterrichts übernehmen, kofinanziert durch Subventionen aus Portugal. Oder dass der ganze Unterricht per Internet von Portugal aus angeboten wird. Es besteht aber auch die grosse Gefahr, dass die meisten der betroffenen Kinder weder in diesem Schuljahr noch in weiterer Zukunft wieder Unterricht in Portugiesisch erhalten werden.

Abbaupläne für Italienisch

Auch die Schweizer Landessprache Italienisch ist von Einsparungen betroffen. Circa zwei Drittel der italienischen HSK-Kurse werden von Lehrpersonen geführt, die vom italienischen Staat angestellt sind. Die restlichen Kurse werden von privaten Organisationen betrieben und durch Staatsgelder unterstützt. Im Rahmen der verschiedenen Haushaltssparpakete wird in Italien nun diskutiert, alle staatlich angestellten Lehrpersonen aus dem Ausland – also auch aus der Schweiz – zurückzurufen und zukünftig lediglich einen Bruchteil der bisherigen Kosten privaten Organisationen zur Verfügung zu stellen, die den Unterricht übernehmen sollen. Für eine flächendeckende und kompetente Weiterführung dürften diese Subventionen kaum ausreichen, zudem könnten diese ohne grösseren Aufwand jederzeit weiter gekürzt oder ganz gestrichen werden. Qualitativ hochstehender Unterricht von professionellen Lehrpersonen wäre damit kaum mehr möglich.

 

 

 

Diskussions- und Informationsveranstaltung

Welchen Einfluss haben Erstsprachen auf die Sprachentwicklung von Kindern mit Migrationshintergrund?

 

Informations- und Diskussionsveranstaltung zu neuen Forschungsergebnissen

Termin: Dienstag, 28. Juni 2011. 18 – 20 Uhr

Ort: Pädagogische Hochschule Zürich, Kantonsschulstrasse 3, Raum KAB G 01

Edina Caprez-Krompàk stellt die Forschungsergebnisse ihrer Dissertation «Entwicklung der Erst- und Zweitsprache im interkulturellen Kontext» (Waxmann, 2010) vor. Darin wird untersucht unter welchen Bedingungen die Erstsprachförderung im Rahmen des HSK-Unterrichts («Unterricht in heimatlicher Sprache und Kultur») an den Schulen stattfindet und wie sich die Förderung der Erstsprache auf die Entwicklung der Erst- und Zweitsprache auswirkt.

Die Ergebnisse der Studie sind u.a. aus linguistischer und pädagogischer Sicht von Bedeutung und verweisen auf den Wert der Erstsprachen im Schulwesen. Es wird dafür plädiert, dass zukünftig die Förderung der Erstsprachen Teil der Mehrsprachigkeitsdidaktik wird und die Sprachen der Kinder mit Migrationshintergrund aus der Sicht der individuellen und gesellschaftlichen Mehrsprachigkeit differenziert wahrgenommen und gefördert werden. Mit der Bildungsexpertin Jacqueline Fehr von der Sozialdemokratischen Partei (SP) wollen wir die politische und pädagogische Bedeutung der Forschungsergebnisse diskutieren: Was sind Bedingungen für gute Wirkungen der Erstsprachenförderung? Was lernen

wir daraus für eine umfassende Schulsprachenpolitik? Welche bildungspolitischen Schritte müssen erfolgen?

 

Referentin

Dr. Edina Caprez-Krompàk, Dozentin für Pädagogische Psychologie an der Fachhochschule Nordwestschweiz und Leiterin des Forschungsprojektes MEMOS (Mehrsprachigkeit und Mobilität im Übergang vom Kindergarten in die Primarschule in der Schweiz)

 

Teilnehmerin an der Podiumsdiskussion

Jacqueline Fehr, ausgebildete Sekundarlehrerin und SP-Nationalrätin, ist Expertin der Schweizer Bildungspolitik und Autorin zahlreicher Publikationen zum Thema. Zuletzt: «Schule mit Zukunft. Plädoyer für ein modernes Bildungswesen» (Orell Füssli 2009)

 

IGE! InteressenGemeinschaft Erstsprachen

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Brief an die Pädagogischen Hochschulen

Interessengemeinschaft Erstsprachen – vpod Interkulturelle Bildung

Postfach 8279                                                                                                

8036 Zürich

johannes.gruber[at]vpod-ssp.ch                           Zürich, den 15. September 2010

 

 

An die Rektorinnen und Rektoren der Pädagogischen Hochschulen der Schweiz

 

Empfehlungen der IGE an die Pädagogischen Hochschulen:

- Stärkerer Einbezug des Erstsprachenunterrichts (HSK) in der ordentlichen LLB

- Schaffung von Weiterbildungsangeboten für HSK-Lehrkräfte

- Forschungsprojekte zur Untersuchung der Effekte von Erstsprachenunterricht auf den Erfolg von Kindern mit Migrationshintergrund im Schweizer Bildungswesen

 

Sehr geehrte Damen und Herren

Die „Interessengemeinschaft Erstsprachen (IGE)“ ist ein Zusammenschluss von rund 50 Institutionen und Organisationen sowie über 70 Einzelpersonen aus verschiedenen in der Schweiz lebenden Sprachgruppen, aus dem Bildungswesen und aus der (Sprach)Wissenschaft. Wir verstehen die Vielsprachigkeit der Schweiz als einen Reichtum, den wir durch Forderungen nach einer geeigneten Sprachenpolitik und einem qualifizierten Sprachunterricht in den Schulen noch zu vermehren suchen.

Die seit Jahrzehnten in der Schweiz angebotenen HSK-Kurse sind für Kinder von Migrantinnen und Migranten ein wichtiger Teil des Sprachenunterrichts. Diese können in Erstsprachenkursen einen verstärkten Zugang zur Sprache ihrer Eltern gewinnen. Durch Förderung in ihrer Herkunftssprache erfahren sie diese als gesellschaftlich anerkannt und geschätzt, was ihnen hilft, ein positives Selbstbild hinsichtlich des Migrationskontextes ihrer Familie zu entwickeln und auch ihre subjektive Integrationsbereitschaft in die Schweizer Gesellschaft fördert. Erstsprachenkurse haben auch positive Auswirkungen auf den Erwerb der lokalen Landessprache. Gerade wenn der Förderunterricht in der Erstsprache mit dem Unterricht in der Zweitsprache koordiniert wird.

Noch immer gibt es jedoch viele Schwierigkeiten bei der Durchführung von HSK-Kursen. Finanziert werden die Kurse oftmals von den Regierungen der Herkunftsländer oder durch die Eltern der Kinder. Auch die Lehrkräfte werden teilweise aus den Herkunftsländern entsandt. Die methodische und didaktische Qualifizierung/Weiterbildung der HSK-Lehrkräfte ist dabei nicht sichergestellt bzw. oftmals deren Eigeninitiative überlassen. Die Schweizer PHs bieten bisher zu wenig Weiterbildungsangebote für die HSK-Lehrkräfte an (vgl. auch Cohep-Bericht zum Ist-Zustand der LehrerInnenbildung von 2007). Aufgrund der oftmals prekären Beschäftigungsbedingungen der Lehrpersonen wäre es auch sehr wichtig, dass  Kurse gratis bzw. zumindest kostengünstig angeboten werden.

Doch die Pädagogischen Hochschulen sollten dem HSK-Unterricht auch einen höheren Stellenwert in der allgemeinen LLB zuerkennen. Wichtig ist, dass der HSK-Unterricht als Teil des Regelunterrichts verstanden wird und die Klassenlehrkräfte um die Bedeutung des HSK-Unterrichts wissen, damit sie in Kooperation mit den HSK-Lehrerinnen und -Lehrern sowohl auf die speziellen Förderbedürfnisse der Kinder eingehen wie auch lernen, deren besondere Fähigkeiten zu würdigen. Die HSK-Lehrkräfte können für die Klassenlehrerinnen und -lehrer auch eine grosse Hilfe bei der Elternzusammenarbeit sein, indem sie bei Bedarf eine vermittelnde Funktion zwischen den Kulturen und Sprachen wahrnehmen können.

Den Pädagogischen Hochschulen, als Orte an denen die (zukünftigen) Lehrerinnen und Lehrer aus- und weitergebildet werden, fällt dabei eine Schlüsselrolle zu: An ihnen sollten verstärkt Fragen des Erstsprachenunterrichts (HSK) in die ordentliche LLB einbezogen werden, vermehrt Weiterbildungsangebote für HSK-Lehrkräfte angeboten sowie Forschungsprojekte zur Untersuchung der Effekte von Erstsprachenunterricht auf den Erfolg von Migrantenkindern im Schweizer Bildungswesen durchgeführt werden.

Anbei finden Sie einen Katalog mit von uns empfohlenen Massnahmen.

Gerne würden wir unsere Anliegen im Gespräch mit Ihnen näher erläutern und die Möglichkeiten für eine allfällige Zusammenarbeit in diesen Fragen klären.

 

Mit freundlichen Grüssen

Für die IGE

 

 

Kathrin Luginbühl                                                       Dr. Johannes Gruber
APEPS (Association pour la promotion                       vpod Interkulturelle Bildung
de l'enseignement plurilingue en Suisse)

 

Beilagen:

-          Katalog mit Empfehlungen

Empfehlungen der IGE zum Themenbereich Erstsprachen an den Pädagogischen Hochschulen

 

 

Empfehlungen der IGE

zum Themenbereich Erstsprachen an den Pädagogischen Hochschulen

 

 

 

1. Aus- und Weiterbildung in der allgemeinen Lehrerinnen- und Lehrerbildung

 

1.1 Die Pädagogischen Hochschulen sollten eine Gesamtkonzeption für Interkulturelle Pädagogik entwickeln und dabei die in den cohep-Empfehlungen vorgeschlagenen Lernbereiche berücksichtigen (vgl. cohep 2006, Empfehlungen zur Interkulturellen Pädagogik an den Institutionen der Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Verfügbar unter: www.cohep.ch)

 

1.2 An den Pädagogischen Hochschulen sollten möglichst Angebote geschaffen, weitergeführt oder ausgebaut werden, in denen die folgenden Kompetenzen vermittelt werden:

- Kenntnisse hinsichtlich der Bedeutung der Erstsprache, auch für den Sprachenerwerb und -verlust

- Kenntnisse hinsichtlich der Bedeutung des Unterrichts in heimatlicher Sprache und Kultur (HSK) sowie von Modellen der Kooperation von HSK- und Regelklassenunterricht

- die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit HSK-Lehrpersonen

- die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit Eltern mit Migrationshintergrund

- sprachliche und sprach-didaktische Kompetenzen mit Blick auf den Unterricht im mehrsprachigen Kontext

 

 

2. Weiterbildungsangebote für HSK-Lehrpersonen

 

2.1 Zu sämtlichen Weiterbildungsangeboten der Pädagogischen Hochschulen sollte ein kostenfreier bzw. zumindest kostenmässig erleichterter Zugang für HSK-Lehrpersonen geschaffen werden

 

2.2 Weiterbildungsangebote sollten in folgenden Bereichen geschaffen,  weitergeführt und ausgebaut werden:

- Schulung ausgerichtet auf die spezielle Situation der HSK-Kurse in der Schweiz

- Landeskundliche und landessprachliche Kurse, die es den HSK-Lehrpersonen ermöglichen, ihr Wissen über die Schweiz und die Kenntnis ihrer Landessprachen zu vertiefen

 

 

3. Forschungsarbeiten

An den Pädagogischen Hochschulen sollte der Themenbereich "Erstsprachenunterricht" auch wissenschaftlich erforscht werden. Forschungsbedarf besteht vor allem in folgenden Punkten:

- Wirksamkeit des Erstsprachenunterrichts auf den Spracherwerb (Erst-, Zweit- und Fremdsprachenerwerb) und das Selbstkonzept

- Auswirkungen von Erstsprachenunterricht auf die Schulkarriere von Migrationskindern (Bestehen von Selektionsprozessen, Übergang in die Sekundarstufe II)

- Optimierungsmöglichkeiten der Erstsprachenförderung durch Abstimmung mit  mit Deutsch als Zweitsprache (DAZ) und Regelklassenunterricht

- Chancen von Studierenden mit Migrationshintergrund bezüglich Lehrerinnen- und Lehrerbildung (Zugang, Verbleib)

 

(September 2010)

Welchen Einfluss haben Erstsprachen auf die (mehrsprachige) Sprachentwicklung von Kindern?

Info- und Diskussionsveranstaltung der Interessengemeinschaft Erstsprachen (IGE)

 (Diese Veranstaltung kann nur in deutscher Sprache stattfinden. Cette conférence aura lieu en allemand uniquement.)

 

Welchen Einfluss haben Erstsprachen auf die (mehrsprachige) Sprachentwicklung von Kindern?

Neue Forschungsergebnisse

Zeit: Donnerstag, 2. April 2009, 18.15 Uhr

Ort: Pädagogische Hochschule Zürich, Sihlhof: LAA019

Referierende:

·         Edina Caprez-Krompàk (Universität Zürich, Studie: Entwicklung der Erst- und Zweitsprache im interkulturellen Kontext)

·         Urs Moser (Universität Bern, Studie: Entwicklung von Sprachkompetenzen in der Erst- und Zweitsprache von Migrantenkindern, Teil des NFP 56: „Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz“)

 

Zwei neue Schweizer Studien untersuchten Fördermassnahmen in der Erstsprache bei Migrantenkindern.  Die Forschungsfragen zielten dabei unter anderem auf die Wirkungen der HSK-Kurse auf die Erstsprachenkompetenz und das Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler sowie auf deren Erwerb des Deutschen als Zweitsprache.

Edina Caprez-Krompàk und Urs Moser stellen ihre Forschungsergebnisse vor und diskutieren deren pädagogische und politische Bedeutung:

 - Was sind die Bedingungen für gute Wirkungen der Erstsprachenförderung?

 - Was lernen wir daraus für eine umfassende Schulsprachenpolitik?

 - Welche bildungspolitischen Schritte müssen erfolgen?

 Die IGE lädt alle Interessierten herzlich zu diesem Anlass ein und hofft auf eine angeregte Diskussion.

 Für die IGE

 Johannes Gruber, Projekt interkulturelle Bildung des VPOD

 

 

Brief an die politischen Parteien der Schweiz, die Kommissionen "Wissenschaft - Bildung - Kultur" (WBK) des National- und des Ständerats, die Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen (EKM) und die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR)

Interessengemeinschaft Erstsprachen – vpod Interkulturelle Bildung

Postfach 8279

8036 Zürich

Tel. 044 295 30 00 / johannes.gruber@vpod-ssp.ch

 

Zürich, den 18. März 2009

Erstsprachen der Kinder und Jugendlichen fördern – ein aktuelles politisches Anliegen

Sehr geehrte Damen und Herren

Die „Interessengemeinschaft Erstsprachen fördern (IGE)“ ist ein Zusammenschluss von rund 50 Institutionen und Organisation sowie über 70 Einzelpersonen aus verschiedenen in der Schweiz lebenden Sprachgruppen, aus dem Bildungswesen und aus der (Sprach-)Wissenschaft (Listen: siehe Beilagen).

Den Aufruf der IGE finden Sie ebenfalls in der Beilage. Die Mitglieder teilen die Überzeugung, dass mit einer guten Förderung der vielen verschiedenen Erstsprachen alle gewinnen können – sowohl die zwei- und mehrsprachig aufwachsenden Kinder und Jugendlichen wie auch die Kultur, die Wirtschaft und die Wissenschaft in unserem Land. Es ist eine enorme Chance, die in der Schweiz vorhandenen Sprachkenntnisse beispielsweise in Albanisch, Arabisch, Chinesisch, Finnisch, Italienisch, Koreanisch, Kroatisch, Kurdisch, Portugiesisch, Russisch, Türkisch, Serbisch, Spanisch, Tamil oder Ungarisch zu erhalten und zu entwickeln. In allen diesen Sprachen und vielen weiteren mehr gibt es im Rahmen der öffentlichen Schulen Unterrichtsangebote, so genannte „Kurse in heimatlicher Sprache und Kultur (HSK)“, die von Botschaften, Konsulaten und Elternvereinigungen getragen werden. Die Vielsprachigkeit, die in der Schweiz ausgeprägt zu finden ist, ist ein Reichtum, der durch eine geeignete Sprachenpolitik und einen geeigneten Unterricht in den Schulen aller Stufen noch vermehrt werden kann.

Dazu sind auf der politischen Ebene bereits zwei bedeutende erste Schritte erfolgt:

-         Die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) schenkt dieser Frage schon seit längerem ihre Aufmerksamkeit. Sie hat sowohl in ihrer Sprachenstrategie aus dem Jahr 2004 und nun – besonderes bedeutsam – im HarmoS-Konkordat vom 14. Juni 2007 eine unterstützende Politik gegenüber dem Unterricht in Erstsprachen, den so genannten „Kursen in heimatlicher Sprache und Kultur (HSK)“, festgelegt.

 -         Im neuen Sprachengesetz des Bundes ist neben der zentralen Förderung der Landessprachen auch die Förderung der Verständigung mit Menschen, die nicht eine der Landessprachen als Erstsprache haben, vorgesehen. Artikel 16 legt fest, dass der Bund an „die Förderung der Kenntnisse von Anderssprachigen in ihrer Erstsprache“ finanzielle Beiträge ausrichten kann.

Damit diese Bestimmungen in der Praxis Wirksamkeit erlangen, braucht es allerdings noch Umsetzungsarbeit bzw. Ausführungsbestimmungen. Gefordert sind in erster Linie die Kantone mit der Umsetzung des Harmos-Konkordates. Und damit Fördergelder des Bundes auf Grund des Sprachengesetzes tatsächlich gesprochen werden können, braucht es eine entsprechende Verordnung, und wiederum die Kantone müssen eine Unterstützungsregelung für die HSK-Kurse in ihrem Kanton treffen, die zum Bezug von Bundesgeldern berechtigt.

Bei der Bildung der IGE im Jahr 2008 haben wir darauf verzichtet, Politiker, Politikerinnen und die politischen Parteien von Anfang an einzubeziehen. Wir haben die Interessengemeinschaft bewusst als Kreis von Fachpersonen und Betroffenen gestaltet. Es ist uns wichtig, die Stellung und Behandlung der Erstsprachen nicht als parteipolitisches Anliegen, sondern als Sachfrage anzugehen. Aber selbstver-ständlich suchen wir dafür politische Unterstützung, und deshalb gelangen wir jetzt an Sie. Wie wir oben skizziert haben, stehen verschiedene politische Entscheidungen und Weichenstellungen an, um eine wirksame Förderung der Mehrsprachigkeit, eingeschlossen der Erstsprachen von Kindern und Jugendlichen aus eingewander-ten und zwei- und mehrsprachigen Familien, Wirklichkeit werden zu lassen.

Gerne würden wir diese Anliegen im Gespräch den Verantwortlichen Ihrer Partei für Bildungs- und Sprachenfragen näher erläutern und mit Ihnen die Möglichkeiten für eine allfällige Zusammenarbeit in diesen Fragen klären.

Mit freundlichen Grüssen

Für die IGE

Dr. Johannes Gruber, vpod Interkulturelle Bildung

 

Beilagen: 

-         Aufruf der IGE

-         Liste der Organisationen / Institutionen und Personen, die den Aufruf            unterzeichnet haben

 

An die Schweizer Medien

«Erstsprachen der Kinder fördern – ein zentraler Auftrag der öffentlichen Bildung»

Donnerstag, 21. Februar 2008, 10.00 – ca. 11.30 Uhr
Käfigturm 2. Stock
Marktgasse 67, 3003 Bern

In der öffentlichen Diskussion in der Schweiz ist derzeit wiederholt die Rede von Integrationsdefiziten der MigrantInnen. Es wird betont, dass viele ungenügende Kenntnisse in den Schweizer Landessprachen (vor allem Deutsch, Französisch, Italienisch) hätten und diese besser lernen müssten. Bei aller Wichtigkeit guter Kenntnisse in der lokalen Landessprache wird nicht thematisiert und zu wenig erkannt, welches grosse Potenzial in den Sprachen der Migrantenfamilien – auch für den Wirtschaftsstandort Schweiz – steckt. Und vor allem wird ausser Acht gelassen, dass gute Kenntnisse der Erstsprache  Kindern das Erlernen der Landessprache erleichtern. Zudem kann eine gelungene Identitätsfindung in zwei Kulturen einen wesentlichen Beitrag zur privaten und beruflichen Integration und zur Gewaltprävention leisten.

Die "Interessengemeinschaft Erstsprachen", ein Zusammenschluss vieler interessierter Organisationen und Persönlichkeiten aus Bildung, Wissenschaft und Migration macht mit einem gemeinsamen Aufruf „Erstsprachen der Kinder fördern – ein zentraler Auftrag der öffentlichen Bildung“ an Politik und Öffentlichkeit auf diese Tatsachen aufmerksam und will den Beitrag ins rechte Licht rücken, den viele Sprachgemeinschaften durch selber finanzierte und organisierte Kurse in Heimatlicher Sprache und Kultur HSK schon seit langem leisten. Sie fordert die Verantwortlichen für das Bildungswesen auf, die im Sprachengesetz und dem HarmoS-Konkordat gelegten Grundlagen für die Stärkung des HSK-Unterrichts zu dessen Unterstützung zu nutzen und ihn in das öffentliche Bildungswesen zu integrieren.

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